No. 8, Allgemeine Situation

Bei all dem Außergewöhnlichen vergisst man völlig, einmal den Alltag und die Arbeit zu schildern. Einige denken sich wahrscheinlich bereits, ob der Kerl eigentlich auch was schafft. Ja, in der Tat bringen wir uns auch sinnvoll in der Pfarrei und deren Aufgabenbereiche ein. Man kann sogar sagen, dass sich seit Januar einiges getan hat. Pünktlich zu unserer „Halbzeit“ in Bolivien bekam auch unsere Arbeit mehr Sinn.
Wir dürfen nun voll in der Guardería, der Kinderkrippe, mitarbeiten. Das heißt, gemeinsam mit den Kindern (1-4 Jahre) und 2 Erzieherinnen frühstücken, zum Spielen auf den Spielplatz gehen, beim „Unterricht“ (basteln, malen, kneten, kleben,…) helfen, spielen und gemeinsam Mittagessen. Im Grunde wie ein Kindergartenerzieher arbeiten.
Nachmittags dürfen wir dann in der Hausaufgabenbetreuung mithelfen. Verantwortlich ist hier der „Profe“, ein junger Lehrer. Hier hat sich seit dem neuen Jahr am meisten verändert. Zuerst erledigen die Kinder ihre Hausaufgaben und wir helfen wo wir können. Nach 1,5 h Hausaufgaben gibt es dann 15 min Pause, in dieser wird meist Fußball gespielt. Im Anschluss an die Pause beginnen die „clases“, sprich der Unterricht. Dafür wurden die Kinder in 3 Gruppen unterteilt. Rotierend passiert jeweils eine Gruppe Musikunterricht von Philipp, Mathe oder Lektüre beim Professor oder Englischunterricht bei mir. Auf mich bezogen heißt das, dass ich nachmittags mit 3-5 Kindern Englischunterricht abhalte. Da die Kinder noch kein Wort Englisch sprechen behandeln wir im Unterricht bisher nur Grundlagen wie Zahlen, Farbe, Tage, Tiere, Familie,…. Auch wenn sich Fortschritte nur schleichend abzeichnen, den Kindern macht es auf jeden Fall sehr viel Spaß und der Start in der Schule wird ihnen auf jeden Fall erleichtert und auch ich bin mehr gefordert. Und bei einem bin ich mir jetzt zumindest 100% sicher, Englischlehrer wird ich gewiss nicht.
Alternativ zur Hausaufgabenbetreuung helfen wir Dienstags immer der Seniorengruppe der Pfarrei; Stühle herumtragen, Getränke kaufen, kochen und backen, häkeln, basteln, Gymnastik, Gesundheitsvorträge auf Ausflügen begleiten und generell wo es geht helfen. Eine äußerst unterhaltsame Gruppe und immer eine nette Abwechslung.

Und ansonsten gilt es dem Padre bei all seinen Einfällen zu helfen. Was wiederum wirklich alles sein kann. Von Wand abreisen, verputzen, streichen, neu verkabeln, Kirche schmücken, eine Gerümpelkammer in die Nächste verlagern, Hecke schneiden, Glühbirnen wechseln, Säcke schleppen, Kreuze und Marienstatuen montieren, imkern, einkaufen zu gehen, Musik im Gottesdienst machen, bei Prozessionen Auto fahren oder auch nur grillen. Keine Angst, der Padre findet schon was.

Noch immer wohnen wir im Pfarrhaus, genau gegenüber von der Kinderkrippe. Unsere Freizeit gestallten wir meist recht ruhig. Neben nerviger und zeitraubender Handwäsche, Abwaschen und Putzen spielen wir viel Gitarre, gehen einkaufen, kochen, häkeln, oder gehen in unserem Viertel spazieren. Oft unternehmen wir am Wochenende etwas mit dem Diakon und dessen Tochter Beatriz.
Was wirklich toll ist, sind die sprachlichen Fortschritte die man bereits gemacht hat und immer noch macht. Mittlerweile verstehe ich einfach so gut wie alles und kann mich super mitteilen. Macht richtig Spaß. Generell macht das Leben hier sehr viel Spaß und ist recht entspannt. Noch immer ist man manchmal verwundert und aufs Neue überrascht, Bolivianer wird man halt nicht in einem Jahr.
Mittlerweile, sowie sich das Ende des Freiwilligendienstes abzeichnet, freut man sich natürlich auch schon sehr darauf wieder nach Hause zu kommen, kann aber die letzten Wochen hier noch so richtig genießen. Man zählt nicht mehr die Wochen, die man bereits da ist, sondern wie Viele man noch hat.

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