No. 2

Buenas Días!
Mittlerweile sind wir drei Wochen hier. Wir haben uns gut eingelebt, sind weiterhin top fit, unternehmen selbstständig kleine Ausflüge in der Umgebung, sind bereits Teil der Jugendgruppe der Parroquia und erleben auch sonst recht viel.
So trieb es uns bereits ins Hallen-/Freibad, zu kuriosen Tanzeinlagen, in die Zentren von Quillacollo und Cochabamba, auf die Cancha,…
Auch haben wir bereits die meisten der Projekte hier besucht. Sehr interessantes und umfangreiches Angebot für eine recht kleine Pfarrgemeinde, welche von zwei größeren mehr oder weniger „Konkurrenten“ umgeben ist.
Unser erster großer Auftritt in der Pfarrei war dann auch gleich eine der kuriosen Tanzeinlagen. Mit der Jugendgruppe der Parroqia durften wir den „el mosquetón“ aufführen.
Ich hoffe unsere Vorstellung am Ende des Gottesdienstes am folgenden Tag hat einen weniger verrückten Eindruck hinterlassen.

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Blick auf die Anden

Unsere Pfarrei liegt in Quillacollo, sozusagen die grenzenlos angrenzende Stadt von Cochabamba welches im Cochabambatal liegt.. Das heißt, wir sind umgeben von bis zu 5000m hohen Bergen, welche durchaus auch teilweise mit Schnee bedeckt sind. Auf jeden Fall immer ein beeindruckender und sehr schöner Anblick, der durchaus an den Alpenblick zuhause erinnern kann.

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Unser erster Einkauf für ca. 90ct

Sprachlich lassen sich durchaus Fortschritte verzeichnen. Ich für meinen Teil verstehe von Tag zu Tag mehr, jedoch gestaltet sich das Antworten noch bedeutend schwieriger.
Generell leben wir hier, im Vergleich zum Großteil der Bevölkerung, recht luxuriös. Natürlich gibt es einige Einschränkungen, kalte Dusche etc… aber wir haben eine vernünftige Dusche, ordentliche Betten, recht häufig Internet, Fließenböden,…
Auch unsere Selbstversorgung klappt meist bestens. In den Tiendas (kleine Läden, die es quasi überall an der Straße gibt) kann das Meiste direkt vor der Haustüre erworben werden. Vor allem Gemüse und Obst kaufen wir dort günstig ein. Abgekocht oder geschält bedenkenlos verzehrbar. So kochen und essen wir viel zu viel. Auch wenn die Kässpätzle leider zu Grießspätzle und der Pfannenkuchen zu Waffelkuchen wurde, weil wir mit dem Mehl noch nicht klar kommen, essen wir von regionalen Gerichten (sehr viel Reis/Kartoffel/Huhn) bis zu Spagetti Bolognese sehr gut. Wir sind sogar bereits in die Großproduktion unserer eigenen „Club-Mate“-Limo eingestiegen.

 

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Waldbrand am Stadtrand

Zusatzinformation FFW Horgenzell: Liebe Kammeraden, mios dios, habt die Lage ja bestens im Griff! Weiter so! Hier haben die vergangenen Tage auch ein paar Hektar Wald gebrannt. Hab ja persönlich auf ein Großaufgebot gehofft, die schaffen zwar ordentlich nur leider bekomm ich davon wenig bis nichts mit…

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Fans des Colegio Alemán

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Vorführung einer Marschkapelle

Zusatzinformation MVW: Liebe Blasmusikfreunde in der Heimat, mit euerm Gegenzug könnt ihr hier ganz flott abzischen, die fahren da mal ganz andere Manöver auf. Allerdings geht hier der Fanclub auch mehr ab; Bengalos, Gesänge, Trommel, Fahnen, Konfettikanonen,… Also fleißig weiterüben, der nächste Blutritt kommt bestimmt…

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Micro (links) und Truffi (rechts)

Egal wohin wir gehen, wird von uns generell als Transportmittel das „Truffi“ oder auch der „Micro“ bevorzugt. Äußerst kostengünstig (1-2 Bs., ca. 12-25 €Ct).
Unter Truffi kann man sich einen kleinen, in Deutschland 9 Sitzer, vorstellen, der für den Transport von 20 Personen umgestaltet wurde. Micros sind kleine, bunt bemalte Busse, welche wiederum grob geschätzt bis zu 60 Personen transportieren können. Über den Zustand dieser Geschosse sollte teilweise besser nicht genauer nachgedacht werden. Ach und wer Italiener oder Sigmaringer für außergewöhnliche Verkehrsteilnehmer hält, war noch nicht in Cochabamba. Es scheint, als würde man hier über den eigentlichen Verwendungszweck von Licht-, Hupe und manchmal auch Ampel gekonnt hinwegsehen. Trotzdem macht das Ganze einen verwunderlich sicheren Eindruck und wir steigen meist tiefenentspannt aus. Für mich mit meinen 1,98m kann es zwar ganz schön eng werden, allerdings bin ich das ja bereits aus deutschen Busen/Autos gewohnt.
Interessant (und evtl. aus umwelttechnischen oder anderen Gründen auch sehr sinnvoll) sind die Tafeln neben den Ampeln, welche die Zeit bis zum Umschalten anzeigen. Jedoch führen sie auch dazu, dass generell mehrere Sekunden vor Ablauf gestartet oder nochmal ordentlich auf die Tube gedrückt wird und wehe wer nicht schlagartig beim Umschalten losfährt, den erwartet ein Hupkonzert vom Feinsten.
Man mag die Bolivianer für sehr gelassen und entspannt halten. Dies trifft auch Großteiles zu, jedoch darf man dies nicht mit faul verwechseln. Und muss es mal schnell gehen oder man möchte eine dringende Angelegenheit klären, ist auch mal schnell Schluss mit tranquilo und richtig Alarm! Eigentlich ist hier jeder immer irgendwie beschäftigt. Zumindest in Cocha, vom Rest kann ich noch nicht viel sagen. Fast Alle. Wir haben es nämlich noch recht entspannt, da wir bisher mehr oder weniger nur halbtags arbeiten. Apoyo Escolar (Hausaufgabenbetreuung) und die Adultos Mayores (Seniorinnen Gruppe) zählen bisher zu unseren alltäglichen Aufgaben. Dazu kommen Aushilfsjobs, Wochenenddienste oder auch Abrissarbeiten. So durften wir mit P. Javier eine Mauer einreißen, vermutlich um die Bibliothek zu erweitern, so sicher sind wir uns da jedoch nicht. Egal! Die Mauer ist weg und zumindest einer von uns Freiwilligen hatte Spaß bei dieser netten Abwechslung. Mangels Werkzeug hat das dann auch ganz schön lange gedauert und seine Spuren hinterlassen.

Werkzeug für den Abriss

Werkzeug für den Abriss

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Die Mauer muss weg!

Aber, so wurde uns versprochen, poco a poco soll es auf unserem eigentlichen „Einsatzgebiet“ arbeitstechnisch mehr werden.

Zur Feier des Tages, und es ist immer irgendein besonderer Tag, wird dann erst mal ein Feuerwerk gezündet. Besonders ab ca. 18:30, sobald es hier recht schlagartig dunkel ist, kann man es fast minütig krachen hören. Ihr könnt euch vorstellen was hier am 21.9. los war:
Tag des Arztes, des Schülers, des Frühlings und der Liebe.

Tag des Schülers passt ganz gut. Die Jugendlichen verbringen mehr Zeit in der Schule als ich das von mir persönlich kenne. Auch durch die Hausaufgabenbetreuung und Schulfeste bekommen wir einen kleinen Einblick in das (Grund)Schulwesen hier, welches (soweit ich das beurteilen kann) dem deutschen vom Lerninhalt sehr ähnlich ist. Allerdings verbringen die Schüler mehr Zeit in den Pausen mit sportlichen Aktivitäten oder mit Tanzen an einem der Zahlreichen (innerhalb der letzten zwei Wochen zwei Stück) Schulfesten.

Neben all der Schönheit von Land und Leuten und der Begeisterung, sind allerdings auch einige Kritikpunkte zu vermerken.

Wovon quasi jeder bereits einmal gehört hat und was soweit auch zutrifft, ist die mangelnde Hygiene im privaten als auch im öffentlichen Raum. Das beginnt bereits beim Wasser aus der Leitung, welches voller Keimen und Co. ist. Glasklar aber für uns nur abgekocht genießbar. Die Verkaufswägelchen an der Straße aber auch die Marktstände sind meistens dreckig und es scheint geradezu unmöglich dort etwas hygienisch zu produzieren und zu verkaufen.
Ebenso auf den Straßen; Tonnen an Müll, da einfach Alles an Ort und Stelle durch fallen lassen entsorgt wird. Wir tun uns enorm schwer, nicht auch dieser Angewohnheit zu verfallen, da es nahezu keine öffentlichen Mülleimer gibt. In den Parkanlagen in den Stadtzentren findet man durchaus sogar Mülleimer mit Mülltrennung, jedoch stellt dies die absolute Ausnahme dar. Generell scheint die Regierung bemüht, das Problem in den Griff zu bekommen, das wird jedoch noch dauern. So steht das wegwerfen von Müll auf den öffentlichen Straßen eigentlich auch unter enorm hohen Strafen…P1050398
Auch mussten wir bereits öfters feststellen, dass der Müll hier einfach verbrannt wird. Es gibt zwar so etwas wie eine Müllabfuhr bzw. einen LKW der einmal eindringlich hupt, mitten auf der Straße stehen bleibt und in den dann der Müll geleert werden kann, mehr habe ich bisher zumindest nicht finden können. Im privaten Haushalt gibt es sowieso keine Mülltrennung, egal ob Bio oder Plastik. Apropos Plastik. Alles, ja wirklich alles bekommt man hier in Plastiktüten! Von der Cola (Nein nicht die Flaschen, sondern die Flüssigkeit in der Tüte) bis zu den Eiern und dem Brot. Papiertüten oder ähnliches sind zumindest mir bisher noch nicht begegnet…
Ein weiteres Problem auf den Straßen stellen die unzählbaren Straßenhunde dar, welche das spazieren gehen für uns nicht gerade einfacher machen, da sie es irgendwie besonders auf uns Gringos abgesehen haben. Vor allem bei Dunkelheit werden die Hunde sehr ungemütliche Zeitgenossen. Die ganze Nacht lang gehören die Straßen ihnen und das feiern sie netterweise mit ihrem melodischen Gebelle. Und die Sauberkeit der Straße fördern sie auch nicht unbedingt.

Auch krass ist das Statusdenken vor allem bei den Jugendlichen, jungen Erwachsenen. Top Smartphone, gute Kleidung, etc. stehen bei vielen an vorderster Stelle. So verbringt so mancher Kandidat seine Freizeit ausschließlich mit chatten, Selfies schießen und teilen, während die Kopfhörer generell zur Standard Ausrüstung gehören. Da kommt man sich teilweise fast schon wie daheim vor.
Obwohl sich trotz alledem koordination/klatsch-Spiele wie ich sie noch aus meiner frühen Schulzeit kenne großer Beliebtheit erfreuen.
Generell gibt es auch das krasse Gegenteil; vor allem junge Frauen, die sich traditionell kleiden in Röcken und Blusen sowie das Haar in Zöpfen tragen. Auch die traditionellen Tänze sind vielen bekannt und sehr beliebt, während als Gegenstück ebenso neue Stücke/Tänze wie der oben erwähnte „el mosquetón“ gefeiert werden. Traditionsverbundenheit und Moderne schränken sich hier nicht ein. So verließ letztens auch eine ältere Zeitgenossin in grauem Haar, traditionell gekleidet, den Gottesdienst, nachdem ihr Handy den ganzen Raum beschallt hatte um zu telefonieren. Durchaus amüsant.
Die Gottesdienste sind hier generell etwas freier gestaltet. Es herrscht ein Kommen und Gehen, Kinder laufen durch die Gegend, von draußen hört man die Geräusche der Straße, da die Türe offen bleibt… Trotzdem ist der Ablauf der Messe identisch dem deutschen. Auch scheint der Glauben eine wichtigere Rolle im Leben der Menschen zu spielen als bei vielen Deutschen.

Soweit soll es das doch fürs Erste gewesen sein. Meine Schilderungen sind bitte noch mit Vorsicht zu genießen, immerhin bin ich gerade einmal drei Wochen hier. Viele neue Eindrücke, die sich schnell wieder ändern/korrigieren können. Bei Fragen/Anregungen gerne melden! Vielen Dank fürs Lesen! Viele Grüße aus der Parroquia Cruz Gloriosa,
Vicente